Vermittlung in den Weimarer Museen

Im Bauhaus-Museum Weimar und im Neuen Museum wird die Moderne erlebbar

Andre Kuhn / Klassik Stiftung Weimar

Das Weimarer Museumsquartier

Über zwei Jahre entwickelten und testeten die Weimarer Bauhaus Agenten gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen neue Gestaltungs- und Vermittlungskonzepte. Hands-on Stationen, Werkstätten und weitere interaktive Medien lassen die Agentenarbeit in den Museen nun sichtbar und erlebbar werden. Als Teil des Museumsteams begleiteten die Weimarer Bauhaus Agenten Maxi Götze, Valerie Stephanie und Johannes Siebler von Beginn an den Gestaltungsprozess beider Museen.

Mit dem Ziel, die Interessen zukünftiger Besucherinnen und Besucher bestmöglich in den Prozess der Museumsentwicklung einzubeziehen, entwarfen die Weimarer Agenten in Zusammenarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Pädagoginnen aus neun Partnerschulen der Region, mit Künstlerinnen und Gestaltern sowie den Kuratoren der beiden Museen Konzepte für die Besucherorientierung, Inhalte für die verschiedenen Medien wie beispielsweise die App Bauhaus+ und erprobten neue Formate der Vermittlung. 

Werkstätten als Orte der Begegnung

Die Verbindung von Kunst und Handwerk, das Experimentieren mit Materialien, Farben und Formen – damit löste das Bauhaus vor einhundert Jahren eine künstlerische Revolution aus. Dank der Bauhaus Agenten werden die Museumsräume nun auch zu aktiv benutzbaren Werkstätten und Orten der Begegnung. Erfahrungen haben die Agenten im Vorfeld mit der temporären "BAU"-Werkstatt gesammelt, welche im Rahmen der Projektarbeit entstand. Sie findet sich nun in neuer Form und als fester Bestandteil in den neuen Museen wieder.

Die drei Vermittlungswerkstätten bieten den Besucherinnen und Besuchern die Gelegenheit zum Mitmachen und Selbstgestalten. So lädt beispielsweise das "Buchwerk" im Neuen Museum dazu ein, in der Tradition von Otto-Dorfner Bücher zu binden und zu veredeln. Zusätzlich bietet die angrenzende pädagogische Werkstatt Raum für Workshops und Projekttage mit Schulen. Bei der Umsetzung wurden die Agenten vom Kuratorenteam und der Buchbindewerkstatt der Herzogin Anna Amalia Bibliothek unterstützt. 

Auch das "Werkcafé" im Neuen Museum lädt zum Gestalten ein. Die Kombination aus Café und Werkstatt bietet Raum, um diverse Handwerkstechniken kennenzulernen. In kleinen Kreativaufgaben, wie dem Stempeln von Postkarten, können sich die Besucherinnen und Besucher ausprobieren. Das Konzept zum Café stammt von dem Gestalterduo NoBla und den Bauhaus Agenten, nach Ideen der Bauhaus-Agenten Schulen. 

Im "Werklabor" im Bauhaus-Museum können Besucherinnen und Besucher jeden Alters mit verschiedenen Materialien und digitalen Medien arbeiten. Zudem besteht das Angebot der gemeinsamen Gestaltung von Objekten mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region. Jeden ersten Donnerstag eines Monats laden die Bauhaus Agenten zum Experimentieren ein. Gestaltet wurde das Werklabor von der Museumsarchitektin Heike Hanada.

Caroline Schlueter
Caroline Schlueter
Caroline Schlueter
Caroline Schlueter

Museum zum Anfassen: Hands-on-Stationen

Neben den Werkstätten vermitteln interaktive Hands-On Stationen auf spielerische Art und Weise Ausstellungsinhalte. Als "Baukastenbauer" können Besucherinnen und Besucher im Bauhaus-Museum mit Gropius' "Baukasten im Großen", den er in Weimar entwickelt und später zum Beispiel in der Dessauer Meisterhaussiedlung angewandt hat, ihre eigenen Haustypen aus seriellen Elementen entwickeln. Die Station "Baukastenbauer" ist das Ergebnis der Agentenarbeit mit dem Staatlichen Gymnasium Bergschule Apolda. 

Im Neuen Museum vermitteln "Gemäldechecker" überraschende Einblicke in ausgestellte Kunstwerke. Beim "Elementereduzierer" werden die Museumsgäste zum "Kämpfer für die Moderne", in dem sie in einem interaktiven Spiel Möbel von überflüssigen Verzierungen befreien. Die Stationen vermitteln den Gestaltungs- und Erneuerungswillen, der schon vor dem Bauhaus mit Protagonisten wie Henry van de Velde und Harry Graf Kessler in Weimar präsent war. 

Im letzten Raum der Ausstellung im Bauhaus-Museum werden die Zukunftsgedanken des zweiten Bauhaus-Direktors Hannes Meyer reflektiert, die er in seinem utopischen Text „die neue welt“ (1926) zusammenfasste. Dieser Raum wurde von den Bauhaus-Agenten kuratiert. In Form einer Bodengrafik bilden ausgewählte Zitate aus dem Text die Basis für zwei Ausstellungsplattformen. Welche Möglichkeiten der Lebensgestaltung haben wir heute? Welche gesellschaftlichen Herausforderungen gilt es zu meistern? In wechselnden Rauminstallationen werden diese und weitere Fragen von diversen Kreativschaffenden, Vereinen sowie Bürgerinnen und Bürgern verhandelt. Über reine Gestaltungsansätze hinaus werden mögliche Zukunftsansätze thematisiert. Das erste Zitat "gemeinschaft beherrscht das einzelwesen" eröffnet den gemeinsamen Dialog über die Zukunft. Hier flossen Projekte aus dem Bauhaus Agenten Programm wie "Weimar Matador" und diverse Audioproduktionen mit in die Konzeption ein.

Kascha Lemke
Kascha Lemke

Info


Bauhaus-Museum Weimar
Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar

Öffnungszeiten: 
Mo 09.00 – 14.30 Uhr
Di bis So 09.00 – 18.00 Uhr 

Mehr über das Bauhaus-Museum

_______________________________

Neues Museum Weimar
Jorge-Semrún-Platz 5, 99423 Weimar

Öffnungszeiten:
Mi bis Mo 10.00 – 18.00 Uhr
Di geschlossen

Mehr über das Neue Museum

Lebendige Bauhaus-Geschichte(n)

Nicht nur interaktive, sondern auch personelle Vermittlung erwartet die Besucherinnen und Besucher der neuen Museen. Die sogenannten "Bauhaus Aktöre" schlüpfen in verschiedene Rollen und machen somit das Bauhaus erfahrbar. Als Handwerksmeister, Wissenschaftlerin, Architekturstudent oder Fotografin erzählen die Schauspielerinnen und Schauspieler des Jugendtheaters stellwerk weimar e.V. Geschichten und beantworten Interessierten Fragen rund um das Bauhaus. Immer sonntags sind drei der Bauhaus Aktöre an farblich gekennzeichneten Orten im Bauhaus-Museum anzutreffen. Zusätzlich bietet die von den Agenten mit entwickelte App Bauhaus+ die Möglichkeit, die Museen über eine Audiotour zu erforschen. 

Mit dem Vermittlungstool "Bauhaus Bag", das am Bauhaus-Museum ausgeliehen werden kann, können Kinder zwischen 6 und 12 Jahren auf Entdeckungstour im Stadtraum gehen, spannende Geschichten erfahren und Experimente durchführen. Neben dem Besucherausweis enthalten die Bauhaus-Rucksäcke diverse Materialien zum Erleben und Entdecken, zum Beispiel ein Sprachrohr, eine Lampe oder eine Maske. Die Bauhaus Agenten unterstützten ein Team der Klassik Stiftung Weimar bei der Entwicklung dieses durch die Thüringer Staatskanzlei geförderten Tools. 

Seit Beginn der Museumskonzeption stehen die Besucherinnen und Besucher im Zentrum des Vermittlungsprogramms – auch nach der Eröffnung. Die von den Agenten entwickelten Angebote werden kontinuierlich weitergedacht und ergänzt, sodass sich Besucherinnen und Besucher auch in Zukunft auf neue und spannende Projekte können. 

LCR 2019

    Zum Seitenanfang